Erinnerung beginnt vor der eigenen Haustür:
Am heutigen Holocaust-Remembrance-Day gedachte die Klasse 10b im Geschichtsunterricht der Opfer des Nationalsozialismus. Dieser Gedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945 durch die Rote Armee und steht für das Erinnern an die 6 Millionen in der Shoah ermordeten Jüd:innen und alle anderen Opfer der Nationalsozialisten.
Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Frau Kammermeier gingen die Schüler:innen zu den Stolpersteinen in der Ackerstraße. Dort legten die sie Rosen für Irma Petzold und Grete Blum nieder. Die Schwestern lebten bis 1941 bzw. 1944 in unserer direkten Nachbarschaft und wurden beide Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.
Europaweit tragen Stolpersteine die Namen von Menschen, die entrechtet, deportiert und ermordet wurden. Sie holen ihre Schicksale zurück in unseren Alltag. Das Innehalten vor diesen Steinen macht Geschichte für uns konkret und greifbar:
Irma Petzold wurde am 28.10.1880 in Berlin geboren. Sie zog Mitte der 1920er in die Ackerstraße 83, wo sie mit ihrem Ehemann Adolf und ihrer Familie wohnte. Nach dem Tod ihres Mannes zog ihre Schwester Grete Blum zu ihr. Grete war am 21.06.1891 in Berlin geboren und zuvor mit Leo Blum verheiratet. Sie wurde am 17.11.1941 nach Kaunas/Kowno in Litauen deportiert und bei Massenerschießungen ermordet. Irma Petzold wurde am 10.01.1944 nach Theresienstadt deportiert und starb dort am 15.05.1944. Wie viele andere Berliner Jüd:innen wurden sie Opfer von Ausgrenzung, Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten. Ihre Biographien stehen für Millionen individueller Schicksale, die oft unsichtbar bleiben.
Die niedergelegten Rosen sind ein Zeichen unseres Respekts und unserer Verantwortung. Gerade hier in unserer direkten Umgebung wird deutlich, dass die Verbrechen mitten im Leben, im Alltag ganz normaler Straßen und Häuser begannen.
Wir gedenken aller Toten und sprechen mit Margot Friedländer, die noch vor eineinhalb Jahren bei uns war:
„Wir sind alle gleich – es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Ihr habt alle dasselbe. (…) Seid doch Menschen!“
(Margot Friedländer)